Jörg Drescher eine der unverzichtbaren Säulen des FC Ruthe

fcrlogonews.jpgDas „Internationale Jahr des Ehrenamtes“ war schon 2001. Aber Ehre gebührt dem Ehrenamt immer, meint der Sarstedter Anzeiger. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die sich für andere engagieren. Dabei geht es uns vor allem um jene, die still im Hintergrund arbeiten und selten in der Öffentlichkeit stehen – ohne die aber meistens gar nichts geht. Heute im 21. Teil: Jörg Drescher

Ewige Jagd nach Toren und Wühlmäusen

Ehrenamts-Serie im Sarstedter Anzeiger: Jörg Drescher- eine der unverzichtbaren Säulen des FC Ruthe

Ruthe (ham). Das „Internationale Jahr des Ehrenamtes“ war schon 2001. Aber Ehre gebührt dem Ehrenamt immer, meint der Sarstedter Anzeiger. In einer Serie stellen wir Menschen vor, die sich für andere engagieren. Dabei geht es uns vor allem um jene, die still im Hintergrund arbeiten und selten in der Öffentlichkeit stehen – ohne die aber meistens gar nichts geht. Heute im 21. Teil: Jörg Drescher.Auf Wühlmäuse ist Jörg Drescher überhaupt nicht gut zu sprechen. „Wir haben hier etwa 600 Löcher zugemacht“, grummelt er. Aber die Tiere sind anhänglich. Immer wieder finden sich Spuren ihrer Tätigkeit auf dem Fußballplatz rechts der Ruther Straße, der im August letzten Jahres offiziell durch den FC Ruthe eingeweiht wurde. Nach dem Hochwasser Ende September war es wieder besonders schlimm. „Das Wasser hatte die ganzen Gänge freigelegt“, erzählt Drescher. Einen vollen Tag lang hätten zehn Leute ackern müssen, um den Platz wieder soweit auf Vordermann zu bringen, dass er nach einigen Tagen Trockenheit wieder bespielt werden konnte.

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Jörg Drescher kennt inzwischen jeden Stein und jeden Grashalm auf dem Platz, hat er doch über dreieinhalb Monate insgesamt 177 Arbeitsstunden in die neue Heimat seines Vereins gesteckt. Nicht jeder Einsatz hat ihm Spaß gemacht, wie man sich unschwer vorstellen kann. „Einmal hatten wir einen Schredder bestellt – und nach einer Stunde fing es an, in Strömen zu regnen. Wir standen mit nur vier Leuten da und haben die Schonung freigelegt. Aber die Maschine kostet ja Geld, da konnten wir nicht einfach aufhören“, berichtet der 40-Jährige noch heute schauernd.Jeden Tag ging es für ihn nach der Arbeit im nahe gelegenen Gartenbaubetrieb direkt auf den Platz, bis zum Einbruch der Dunkelheit. „Private Aktivitäten fielen in dieser Zeit vollständig aus“, erinnert sich der gelernte Feinmechaniker. „Ich kam nach Hause, habe Abendbrot gegessen und bin dann auch schon fast ins Bett gefallen“. Ehefrau Hildegard und die elfjährige Tochter Vanessa hätten während der Renovierung ganz schön leiden müssen, gesteht Jörg Drescher unumwunden ein. „Es war eine Ausnahmesituation, die jetzt zum Glück vorbei ist. Wenn ich nicht so eine liebe Frau hätte, wäre das nicht möglich gewesen“.Aber das Resultat spricht für sich selbst. Flächen und Gebäude sind nicht wiederzuerkennen. Vom Entrümpeln über Betonarbeiten, Fliesen legen, Dämmen und Streichen – alles haben Jörg Drescher und eine Handvoll weitere Vereinsmitglieder selbst gemacht, rund 60 FC-Angehörige haben ebenfalls gelegentlich Hand angelegt.„Der Verein gibt mir so viel, ich möchte etwas zurückgeben“, sagt Drescher. Seit der Gründung des FC Ruthe im Jahr 1980 ist er dabei, seit 22 Jahren spielt der jüngste von vier sportverrückten Brüdern Fußball. Dabei hatten seine Eltern eigentlich etwas anderes geplant. „Nach Udo und Rolf sollte ich eigentlich ein Mädchen werden“, erzählt der 40-Jährige. Aber es kam ganz anders. „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben zwei Jungen bekommen“. So oder so ähnlich muss die Nachricht für den geschockten Vater am 12. April 1967 in der Klinik in Hildesheim gelautet haben. Statt einer Tochter hatte Familie Drescher gleich doppelten männlichen Zuwachs erhalten.„Mit meinem Zwillingsbruder Axel werde ich oft verwechselt“, lacht Jörg Drescher. Für den FC Ruthe war die Geburt von zwei weiteren Jungen jedenfalls ein Glückfall, denn alle vier waren oder sind aktive Fußballer. „Ich spiele eigentlich in allen Mannschaften außer bei der Jugend“, scherzt Jörg Drescher. Nur für die I. Herren reiche es nicht mehr ganz. „Mit einem 20-Jährigen kann ich nicht mehr mithalten, was die Schnelligkeit angeht“. Die Alten Herren und die zweite Mannschaft bauen jedoch fest auf den Mittelfeldspieler.Und auch als Pressewart ist Jörg Drescher für den Verein unverzichtbar. „Meine ersten Berichte habe ich auf einer alten Schreibmaschine getippt, mit Tippex korrigiert und dann mit dem Fahrrad in die Redaktion gefahren“, erinnert sich der Ruther. Computer und E-Mail haben inzwischen auch bei „jd“, wie sein Kürzel beim Sarstedter Anzeiger lautet, Einzug gehalten. Im Internetforum des FC kann Drescher nun auch vom „Tor seines Lebens“ schwärmen. „Die Schreibmaschine habe ich seitdem nicht mehr benutzt, aber sie steht noch als Erinnerungstück bei mir“, so Jörg Drescher.

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177 Stunden Arbeit hat Jörg Drescher in die Heimat „seines“ FC Ruthe gesteckt.

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