Klamme Kasse trotz Mitgliederboom

Ruthe(jd). Ein sehr gut gefülltes Dorfgemeinschaftshaus Ruthe sorgte am Samstagabend auch für lange Diskussionen bei der Jahreshauptversammlung des FC Ruthe. Schon bei der Mitgliederentwicklung wies Vorsitzender Walter Drescher wie schon im letzten Jahr darauf hin, dass diese weiter ansteige. „Wir haben derzeit einen jährlichen Zuwachs von zehn Prozent auf jetzt 468 Mitglieder und platzen weiter aus den Nähten. Das ist noch nicht das Ende.“ Die treibende Kraft beim wachsenden Verein ist Jugendwart Thomas Germer, der sich besonders in den Kindergärten und Schulen einbringt. 261 Senioren und 246 Jugendliche sind derzeit in über 20 Mannschaften (2 Tischtennisteams) beim FC aktiv und möchten natürlich auch eine Grundlage zum Fußballspielen bekommen. „Wir haben unsere Grenzen erreicht und benötigen besonders mehr Hallenzeiten im Winter um die Rasenplätze in einem spielfähigen Zustand zu erhalten.“ Die Suche nach weiteren Möglichkeiten ist im Aufbau. So wird gemeinsam mit der FSV Sarstedt ein Gespräch mit der Stadt Sarstedt angestrebt, um die Möglichkeiten eines Kunstrasenplatzes zwischen den Sportanlagen zu erörtern. Ortsbürgermeister und Stadtratsmitglied Manfred Furich bremste aufgrund der zu hohen anfallenden Kosten allerdings die Euphorie. „Natürlich wäre das eine Herausforderung für die Stadt Sarstedt“, so Drescher, “aber wo sollen wir diejenigen, die bei uns spielen möchten, denn aktiv gewähren lassen, um auch die Rasenplätze nicht mehr als möglich zu belasten. In Zeiten , wo besonders viele Kinder nur noch vor dem PC oder Fernseher sitzen, ist es doch toll, wenn sie sich einem Verein ihres Vertrauens anschließen möchten um dort aktiv zu werden.“ In der anschließenden Diskussion ging es auch um einen Mitgliederaufnahmestopp. Vorsitzender Walter Drescher betonte aber ausdrücklich:“ Wer bei uns Fußball spielen möchte, soll dies auch tun können. Wir werden niemanden abweisen.“

Ähnlich wie die Fußballer müsse sich auch die Tischtennissparte mit kleinsten Räumlichkeiten zufrieden geben. „Unsere Übungsmöglichkeiten sind hier im Dorfgemeinschaftshaus natürlich beschränkt“, so Spartenleiter Thomas Müller. Trotzdem plane er langfristig nach der Gründung eines Damenteams im letzten Jahr mit einer Jugendmannschaft und legte weise nach:“ Das schnellste Rückschlagspiel der Welt-was ist das schon? Faszination!“

Das Dorfgemeinschaftshaus war zur diesjährigen Jahreshauptversammlung Ruthe gut gefüllt

Nach nur einem Jahr wird die Fußball-JSG Ruthe-Sarstedt wieder aufgelöst. „Wir haben uns unsererseits dazu entschließen müssen, weil wir es organisatorisch nicht mehr hinbekommen haben. Unser Vorstand ist mit der bisherigen Arbeit bereits ausgelastet gewesen und konnte die anfallende Arbeit allein nicht mehr stemmen“,  so Drescher. Die laufende Saison wird allerdings noch zu Ende gespielt. Jugendwart Thomas Germer hofft langfristig auf eine eigenständige Jugendabteilung aller Sarstedter Fußballvereine unter der Leitung eines kleineren Ortsvereines. Die Voraussetzung möchte der NFV schaffen, der derzeit lediglich noch drei Vereine als JSG zusammenspielen lässt und dieses auf sechs Vereine erhöhen möchte, um auch mitgliederschwache Vereine vor dem Aus zu schützen. Germer selbst intensiviert seine Arbeit in der Ruther Jugend, möchte sich organisatorisch anders aufstellen und weitere Helfer für einzelne Jugendbereiche gewinnen. Er selbst plane eine Mädchenabteilung aufzubauen um langfristig mit einer A-, B- und C-Jugendmannschaft rechnen zu können und einen festen Unterbau für die derzeitige Bezirksligadamen herzustellen. Hierfür möchte er in den Schulen Fußball-AGs ausschließlich für Mädchen anbieten. „Unsere Jugendabteilung selbst hat einen besonders großen Zuwachs von der U7 bis U9“, so Germer. „Jede Woche erscheinen neue Gesichter. Am Training nehmen dann teilweise bis zu 32 Kids teil. Die bisherige Arbeit mit den Kindergärten sowie das alljährliche Kindergartenturnier im Jahn-Sport-Park  machen sich hier deutlich bemerkbar.“ Als „Treibende Kraft für den Erhalt des Ruther Fußballclubs“ lobte Walter Drescher die Arbeit von Thomas Germer.

Aufmerksam und nachdenklich stimmte der Kassenbericht des Ruther Vereins. Dieser fiel im abgelaufenen Jahr deutlich negativ aus, sodass der Verein derzeit nur durch privaten Mittel zahlungsfähig bleibt. Für die Mehrausgaben verwies Thomas Lesnicki (2. Kassenwart) nicht nur auf die steigende aktive Mitgliederzahl und damit auch versteckte Mehrausgaben wie Trainingsutensilien, Mannschaftsausstattung und weitere versteckte Kosten, sondern auch auf größere Investitionen wie Bezahlung der Grillhütte und der Sportplatzrenovierung. Der Ausfall des überlebenswichtigen Berthold C. Haferland Cups sei aber hauptverantwortlich für die klamme Kassenlage. „Ein so großes Jugendturnier war bislang erfolgreich, doch seit dem letzten Jahr ist es ausgereizt, und musste aufgrund fehlender Teilnehmer abgesagt werden“, so Thomas Germer. Der Umstand, dass viele andere große Fußballvereine ebenso Jugendturniere allwöchentlich vor oder nach der Punktspielsaison durchgeführt haben, ließe den Reiz selbst daran verlieren.  Der Verein ringt um jeden Euro. Bereits im letzten Jahr wurde beschlossen, die Mitgliedsbeiträge zum 1. Januar 2017 anzupassen. Aktive Senioren zahlen einen Monatsbeitrag von jetzt 8 €, (passiv 5 €), Jugendliche 3,50 € und Familienmitglieder 12,- €. Trotz Beitragserhöhung müssen die Ruther aber auf größere Investitionen verzichten. Stattdessen müsse auch der sportliche Weg wieder dazu beitragen, dass sich die Kassenlage verbessere. Nach dem Abstieg der ersten Herrenmannschaft in die 2. Kreisklasse bleiben auch viele Zuschauer den Gang in den Jahn-Sport-Park trotz jetzigem Aufstiegskurs schuldig. Der Umstand, dass der Verein auch eine andere Staffel wählte, soll schnellstmöglich rückgängig gemacht werden. „Eine Anfahrt von fast 50 Kilometer, womöglich noch auf einen Mittwochabend, mutet sich kein Zuschauer in der untersten Klasse zu“, so Pressesprecher Jörg Drescher. „Hinzu kommt noch die Fernsehübertragung der Bundesliga, beziehungsweise ortsnahe Bundesligisten, die von Freitagabend bis Montagabend durchgängig nicht nur Zuschauer von den Amateurplätzen locken sondern teilweise auch die Aktiven dazu. Der „12. Mann“ fehle an allen Ecken und Enden“, so Drescher.  Für einen Fußballverein solcher Größe müsse der Anspruch der Ruther mindestens der Wiederaufstieg in die 1. Kreisklasse mit attraktiveren Gegnern und deren Zuschauern aus näherer Umgebung sein. Das sei auch zum Überleben des Vereins wichtig.

Grundsätzlich befinden sich alle Ruther Seniorenteams durch erhöhtes Engagement ihrer Übungsleiter auf sportlichem Höhenflug. Erste und zweite Herrenmannschaft peilen den Aufstieg an. Die Damen belegen mit einem derzeitigen 4. Tabellenrang  in der Bezirksliga die beste Platzierung seit Bestehen und auch die Ruther Altsenioren überwintert nach dem Abstieg aus der Kreisliga als Herbstmeister auf dem ersten Platz und möchten in die Kreisliga zurück.

Bei den Nachfolgenden Neuwahlen in Vorstandsbereichen zeigte sich der Ruther Club wieder einmal gut vorbereitet. Während Walter Drescher und Andreas Meseberg ihre Amtszeit noch nicht vollendet haben wurde Kassenwart Heinz Höhne, Sport- und Gerätewart Heiko Rosemeier, Jugendwart Thomas Germer, Mannschaftssprecher Sebastian Plage sowie Pressesprecher Jörg Drescher wiedergewählt. Zum neuen Schriftwart für die scheidende Monika Aschemann wurde Peter Wirries gewählt. Auch Detlef Merbold schied nach 20 jähriger Amtszeit als Beisitzer berufsbedingt aus. Mit Steven Fortak erhält der Ruther Vorstand eine Verjüngungskur.

Der gewählte Großteil des insgesamt 11köpfigen Vorstandes für die nächsten zwei Jahre (von links): Heiko Rosemeier (Sport-und Gerätewart), Thomas Müller (Spartenleiter Tischtennis), Steven Fortak (Beisitzer), Walter Drescher (1. Vorsitzender), Thomas Lesnicki (2. Kassenwart), Thomas Germer (Jugendwart), Jörg Drescher (Pressesprecher), Sebastian Plage (Mannschaftssprecher)

Zum „Vereinsspieler des Jahres 2016“ wurde posthum Marco Schmidt geehrt, der im November 2016 unerwartet verstorben ist. Er war langjähriges aktives Mitglied, und gründete zusammen mit Thomas Müller die Tischtennissparte. Thomas Rexrodt und Dirk Schirmer sind bereits seit 20 Jahren Vereinsmitglieder. Manuela Salzmann, Silvia Köher und Frank Neumann halten seit 30 Jahren dem Verein die Treue und wurden mit Urkunden geehrt.

„Die ehrenamtliche Arbeit des Vorstandes wird belastender“, wie Walter Drescher feststellen musste. Neben zahlreichen internen Terminen möchte sich der Fußballclub auf deutlich weniger öffentlichen Veranstaltungen beschränken. Am 6. Mai ist der Sparkassencup im Jahn-Sport-Park geplant. Dies ist ein Sichtungsturnier des Hildesheimer Fußballkreises für bis zu 20 U 11 Teams. Am 30. Mai findet das jährliche Kindergartenturnier, ebenfalls im Jahn-Sport-Park statt. „Einen Berthold C. Haferland Cup wird es in diesem Jahr nicht geben, da bereits im Vorfeld kaum Zusagen zustande gekommen sind“, musste Thomas Germer die Mitglieder enttäuschen. Der Verein benötige für all seine Aktivitäten weiterhin die Unterstützung seiner Mitglieder. „Wer Ideen hat, soll den Mut haben, sich mit dem Vorstand in Verbindung zu setzen, um weitere Optimierungen zu erreichen“, so Walter Drescher. Er dankte allen Helfern im Vor- und Umfeld, „denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen.“

 

 

Walter Drescher verabschiedet Monika Aschemann mit Blumen für ihre vorbildliche Arbeit als Schriftführerin.

Detlef Merbold (links) scheidet aus beruflichen Gründen aus dem Vorstand aus

 

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