Vereinen droht Streit um Namen für Sportplätze

Sarstedt (abu). Sollen die Sportplätze an der Ruther Straße neue Namen bekommen? Darauf zielt ein Vorstoß des TKJ ab, der sich vom Rat ein Votum für einen Jahn-Sportparkwünscht. Die FSV reagiert verschnupft  reißt der Namensstreit längst zugeschüttet geglaubte Gräben zwischen den Klubs wieder auf?
Für die TKJ-Vorsitzende Heidi Siemers besteht kein Grund zur Aufregung. Wir würden uns freuen, wenn der Sportplatz rechts der Ruther Straße in Jahn-Sportpark umbenannt würde, erklärt sie. Die Führung des größten Sarstedter Sportvereins (mehr als 2800 Mitglieder) habe sich einhellig dafür ausgesprochen, einen entsprechenden Vorstoß bei der Stadt zu starten. Für Siemers und ihre Mitstreiter spricht eine Reihe von Gründen für den Namen: Er liegt an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße, unser Klubhaus steht darauf, im Volksmund wird das Gelände oft als TKJ-Platz bezeichnet. Und wir haben dort verschiedene Sportarten wie Leichtathletik, Petanque und verschiedene Kurse im Klubhaus, ergänzt Siemers.

Der zweite Hauptnutzer des Sportplatzes, der FC Ruthe, hat dem Plan sogar schriftlich zugestimmt: Der TKJ hat uns frühzeitig angesprochen und sich korrekt verhalten, lobt der FC-Vorsitzende Walter Drescher. Wir wären vor allem froh, wenn der Platz überhaupt einen Namen bekommt, weil er dann für auswärtige Teams leichter zu finden ist, fügt der Chef der Ruther Fußballer hinzu. Die Pläne seines Vereins, einen Namenssponsor für den Platz zu finden, seien vor einigen Jahren gescheitert. Die Initiative des TKJ können wir vorbehaltlos unterstützen, so Drescher, dessen Verein in den vergangenen Jahren umfangreiche Sanierungsarbeit auf dem Platz geleistet hat und dort Training und Spiele absolviert. Lauter Widerspruch kommt allerdings von zweitgrößtem Sarstedter Sportverein, der FSV (gut 1800 Mitglieder). Die FSV unterhält auf dem Sportplatz einen Klubraum, die Leichtathleten treffen sich hier teilweise zum Training und veranstalten ihren Frühjahrs-Werfertag. Der TKJ ist schließlich nur einer von mehreren Nutzern des Platzes, da sind ja drei Sportvereine und die Schulen drauf unterwegs, sagt der Vorsitzende Peter Glaser. Deshalb findet der Vorstand es nicht richtig, den Platz nach einem der Vereine zu benennen. Die FSV nimmt das Thema so ernst, dass sie eigens für den kommenden Montag, 4. August, eine Vorstandssitzung im Regieraum auf dem Sportplatz am Schulzentrum einberufen hat.Der Regieraum ist dabei ein symbolträchtiger Ort. Die FSV-Führung ist unverändert sauer auf Verwaltung und Ratsmehrheit von SPD und FDP, weil die Stadt dem Antrag des Vereins auf einen Zuschuss zum Bau des Regieraums nicht gefolgt ist. Die Ratsmehrheit hatte damals die Position vertreten, ein Zuschuss komme nur in Frage, wenn auf dem Regieraum auch das Logo des TKJ sowie das Stadtwappen erscheinen sollten. Zudem sollte der in den FSV-Farben blau-weiß gehaltene Container zur Hälfte im (TKJ-) Rot-Weiß gestrichen werden. Die FSV lehnte entrüstet ab. Als Retourkutsche für diesen Streit will Peter Glaser die jetzige Ablehnung der FSV aber nicht verstanden wissen zumindest nicht gegenüber dem TKJ. Die Stadt hat in der Frage des Regieraums die Vereine wieder auseinander getrieben, nachdem die Zusammenarbeit zuvor immer besser geworden war, kritisiert er. Nun sind bei uns die Wunden noch zu frisch. Den Namen Jahn-Sportpark finde er aber ohnehin nicht angemessen: Der TKJ macht da nicht einmal Rasensport. Über einen neutralen Namen wie Innersteplatz kann man reden. Dass die eigene Fußball-Abteilung versucht, für den Sportplatz links der Ruther Straße die Bezeichnung FSV-Sportpark unters Volk zu bringen, sieht Glaser weniger dramatisch: Erstens ist das nicht der offizielle Name  und zweitens sind wir tatsächlich die einzigen Nutzer dieses Platzes.

Allerdings gehören beide Flächen der Stadt. Die Entscheidung über eine Taufe liegt also beim Stadtrat. Zunächst will Bürgermeister Karl-Heinz Wondratschek Gespräche mit den Beteiligten führen: Ich wüsste eigentlich nicht, was dagegen spricht, aber wir müssen uns erst einmal alle Meinungen anhören, sagt er vorsichtig. TKJ-Chefin Heidi Siemers hat für die Debatte wenig Verständnis. Sie wirkt sogar ungewohnt ärgerlich: Ich hatte ohnehin überlegt, an die Presse zu gehen, sagte sie auf Anfrage dieser Zeitung. So könne sie die Position der FSV nicht nachvollziehen: Warum können wir nicht Jahn-Sportpark und FSV-Sportpark an der Straße nach Ruthe haben? Dann könnten doch beide zufrieden sein, sagt sie. Und wittert zugleich in der Politik eine gewisse Beklemmtheit. Mir scheint, dass man uns da nicht so unterstützen will, um die FSV nicht wie schon beim Regieraum vor den Kopf zu stoßen, sagt sie. Die Vorwürfe der FSV gegen die Stadt kann ich aber nicht ganz nachvollziehen. Es wirkt, als breche die alte Rivalität zwischen beiden Vereinen wieder auf, die noch aus einer Zeit stammt, als der TKJ der Verein der Bürgerlichen und die FSV der Verein der Arbeiter war. Das gegenseitige Misstrauen hat sich gerade bei älteren Mitgliedern bis heute gehalten. Auf der anderen Seite arbeiten zum Beispiel Tennisspieler, Turner und Leichtathleten beider Vereine projektweise zusammen. Beim Benefizkonzert am 1. Juni bekamen die Tänzer von FSV und TKJ, die mit einem gemeinsamen T-Shirt auftraten, für diese Aktion sogar Sonderapplaus.

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